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E-Mail vom 1. August 2007 aus Qingdao:

Hallo liebe Mitschueler, Lehrer und Interessierte!

Nachdem Ihr in den zwei Wochen, in denen wir jetzt in Qingdao sind noch gar nichts von uns gehoert habt, kommt nun ein kleiner Zwischenstands- und Lagebericht:

Die Stadt Qingdao liegt an der Kueste der Halbinsel Shandong und ist eine sehr bedeutende Industrie- und Hafenstadt.

Der Name Qingdao heisst uebersetzt "Gruene Insel", was die Schoenheit ihrer Straende und Umgebung erahnen laesst. Die Stadt selber ist durch den Bauboom, der seit einiger Zeit hier herrscht, in ihrem Aussehen stark beeinflusst worden. Im Stadtgebiet, welches 1.102 km² umspannt, leben 2,6 Mio Menschen. Mit den Einwohnern der eingemeindeten Umgebung betraegt die Zahl insgesamt 7,3 Mio. Die Gesamtflaeche ist 10.654 km².

Man findet hier an einigen Orten noch alte Bauten aus der deutschen Kolonialzeit (1897 - 1914), die meisten wurden aber zerstoert. Am bekanntesten sind die deutsche Brauerei (in der wir schon waren), der deutsche Bahnhof, eine katholische und eine evangelische Kirche und das Gaestehaus des Gouverneurs (in dem wir auch schon waren).

Als Industrie- und Handelsstadt mit ortsansaessigen Unternehmen wie Hiesense und Good Year und dem drittgroessten Hafen der Welt spielt Qingdao eine bedeutende Rolle fuer die Wirtschaft Chinas.

Anders als in deutschen Grossstaedten gibt es hier keine S-, U- oder Strassenbahnen, sondern nur Busse. Von diesen gibt es allerdings sehr viele, sodass man keine Angst haben muss, nicht von einem Ort zum anderen zu kommen. Ausser Bussen, Autos und Lastwaegen, gibt es hier viele Motorraeder, die zum Transport aller erdenklichen Gegenstaende gebraucht werden. Fahrraeder sieht man hier selten, v. a. deswegen, weil das Stadtgebiet sehr huegelig ist und das Radfahren durch das hohe Verkehrsaufkommen mitunter gefaehrlich werden koennte.

Nun aber zur Universitaet, in der wir fuer vier Wochen leben und Chinesisch lernen:

Qingdao-Uni
 

Das weitlaeufige Gelaende der Qingdao Da Xue (Universitaet) liegt mitten in der Stadt auf einem Huegel und umfasst vier Studentenwohnheime, einige Unterrichts- und Verwaltungsgebaeude und ein Hotel, in dem Kongresse stattfinden und wo man als Gast von ausserhalb wohnen kann. Ausserdem gibt es auf dem Campus einige kleinere Lebensmittellaeden und eine Post.

Unser Wohnheim liegt etwas oberhalb vom eigentlichen Gelaende, neben zwei kleineren Restaurants, in denen die auslaendischen Studenten Stammgaeste sind und die mitunter auftretenden Verstaendnigungsprobleme mit effektiven Mitteln bekaempft werden. So kam, als wir vergeblich versuchten, uns mit den fuenf chinesischen Bedienungen darueber zu verstaendigen, welches Gemuesegericht wir nun essen wollten, der Koch mit einer rohen Tomate in der einen und Mangold in der anderen Hand an unseren Tisch, um uns zu zeigen, welche Gemuesesorten zur Auswahl standen. Wir entschieden uns fuer Mangold, der dann auf zwei aeusserst leckere Arten zubereitet an unseren Tisch kam. Ein anderes sehr schmackhaftes Gericht sind Jiao Zi, tortelliniaehnliche, mit Hackfleisch und Fruehlingszwiebeln gefuellte Teigtaschen, die wir hier fast taeglich essen. Beim Essen dieser kulinarischen Kunstwerke standen wir allerdings schon manches Mal etwas auf dem Schlauch, weil man z.B. zum fachgerechten Filettieren von Raeucherfisch mit Staebchen eine gewisse Fingerfertigkeit besitzen muss, die wir noch nicht ganz erlangt haben.

Bierdose

Der Unterricht an der Universitaet ist sehr abwechslungsreich, wir haben neben Vokabeln und neuen Zeichen z.B. auch schon zwei chinesische Lieder gelernt und werden nach unserer Rueckkehr sicherlich ein beachtliches Repertoire besitzen. Wochentags haben wir also taeglich drei Stunden Unterricht und samstags stehen Gruppenausfluege auf dem Programm. Letzten Samstag waren wir im Biermuseum der von den Deutschen aufgebauten Brauerei, wo die aufkommenden patriotischen Gefuehle von einigen Gruppenmitgliedern nicht ganz unterdrueckt werden konnten und in gelegentlichem Klatschen Ausdruck fanden.

Eine andere lustige Begebenheit ereignete sich, als wir bei JUSCO, einem riesigen Einkaufszentrum in der Stadt, waren. Dort unterhielten wir uns gerade ueber Tischtennis als ploetzlich jemand sagte: "Tischtennisbaelle sind hier." Dieser jemand war ein Baecker aus Oesterreich, der als fachlicher Berater bei einer in Qingdao neu eroeffneten Baeckerei taetig ist. Von dieser Baeckerei hatten wir am Vortag schon einen Flyer gesehen, aus dem aber nicht genau hervorging, wo dieser Laden sich befand. Nun kriegten wir die Information aus erster Hand und genossen es sehr, mitten in China mit jemand anderem als unseren Mitschuelern Deutsch sprechen zu koennen.

Wir haben natuerlich noch viel mehr Dinge erlebt und Eindruecke gehabt, aber wir befuerchten es wuerde zu weit fuehren, wenn wir diese jetzt alle aufzaehlen wuerden. Bis hierhin also der erste Ueberblick, ueber weitere Ereignisse werden wir euch natuerlich auf dem Laufenden halten.

Liebe Gruesse von euren Chinafahrern,

Kirstin und Ingra.