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Weihnachtskarte an unsere Partnerschule

Weihnachtskarte

 

Gegenbesuch in China

Bericht über den Aufenthalt in einer chinesischen Familie

Nach unserer Landung in Shanghai wurden wir sehr herzlich am Flughafen von einigen Lehrern der Yuanqing-Highschool empfangen. Auch die anschließende Ankunft in Hangzhou, wo wir unsere Austauschschüler und deren Eltern wiedersahen bzw. kennenlernten, war sehr schön und bewegend.

Nach einer kurzen Fahrt mit dem Auto des Onkels – meine Familie hatte kein Auto -, kam ich dann im Hause meiner Gastfamilie an, wo schon die erste Überraschung auf mich wartete. Dass meine Familie nicht zu den reicheren gehörte, wusste ich von Erzählungen meiner Austauschpartnerin, aber ich war doch sehr erstaunt festzustellen, dass wir keinen Warmwasseranschluss im Hause hatten. Aus meinem Wunsch, nach der über 24-stündigen Reise zu Duschen, wurde also noch ein Abenteuer. In unserem Viertel hatten die meisten Familien kein Warmwasser. Daher gab es Häuser, in welchen man gegen Bezahlung duschen konnte.

Was mir schon bei Nacht aufgefallen war, war tagsüber noch deutlicher zu erkennen: Wie arm die Menschen in China sind. In meiner Nachbarschaft gab es Chinesen, die in notdürftig zusammengezimmerten Wellblechhütten direkt am Straßenrand lebten, als Türersatz einen Pappkarton. Der kleine Bach gegenüber unserer Wohnung war ungelogen schwarz und roch nach Kläranlage. Entlang der Häuser lag überall Müll.

Dennoch kann ich mich nicht beklagen, dass ich es je schlecht gehabt hätte. Sowohl meine Gasteltern als auch alle Verwandten meiner Austauschpartnerin haben dafür gesorgt, mir eine wunderschöne Zeit in China zu ermöglichen. Ich bin überaus herzlich in die Familie aufgenommen worden, und auch wenn sie nicht viel Geld hatten, so haben sie sich sehr bemüht, mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Obwohl ich die Lebensumstände manchmal als anstrengend empfunden habe – besonders, wenn ich die Erzählungen vieler anderer Mitschülerinnen gehört habe, die regelrecht im Luxus schwelgten -, bin ich wirklich dankbar dafür, dass ich gerade in dieser Familie war, denn ich denke, ich durfte mehr vom wirklichen China kennenlernen: Die Armut, welche in den meisten Teilen des Landes herrscht, aber auch die Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die gerade den Menschen zu eigen ist, die selbst wenig haben.

Als wir unsere Rundreise antraten, bin ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge von Hangzhou weggegangen. All die Liebe, die ich in der Zeit in meiner Familie erlebt habe, hat es schwer gemacht, einfach in den Bus einzusteigen und davonzufahren mit der Gewissheit, viele von ihnen nie wieder zu sehen. Der andere Teil von mir hat sich auf ein eigenes Bett, eine Dusche und ein richtiges Klo gefreut. Auf der Reise habe ich dann das andere China erlebt, das wirtschaftlich entwickelte, luxuriöse China, in dem unaufhörlich Hochhäuser gebaut werden und in dem man sich für drei Euro zwei Stunden lang beim Friseur die Haare waschen, schneiden und massieren lassen kann.

Und so habe ich Einblicke in zwei völlig verschiedene Welten erhalten.

Alina Kamm, 11a

 

Chinesische Gastschüler am Annette-Kolb-Gymnasium, Juli 2007

Die chinesischen Austausch-Schüler sind mit ihren begleitenden Lehrkräften am Freitag, dem 20. Juli, alle wohlbehalten und sehr gut gelaunt am Annette-Kolb-Gymnasium eingetroffen.

In der anschließenden Woche standen neben Unterricht am AKG ein gemeinsamer Tag auf dem Chiemsee, eine Fahrt nach München, ein Grillfest und Firmenbesuche auf dem Programm. Außerdem bekamen unsere chinesischen Gäste eine kurze Einführung in deutsche Kultur und Geschichte von Herrn Hartl. Die eine Woche verging wie im Flug. Trotz der großen kulturellen Unterschiede hat das Zusammenleben in den Familien sehr gut funktioniert.

Gespannt sind wir nun auf den Gegenbesuch, der am 23. Oktober starten wird. Die Schülerinnen und Schüler des AKG werden im Anschluss an den Flug nach Shanghai zehn Tage in den Familien wohnen und die High School besuchen. Vorgesehen ist ein Ausflugsprogramm mit Besichtigungen der Städte Wuxi, Suzhou und Shanghai.

 

 

Von den Unterschieden und Gemeinsamkeiten bei Jugendlichen zweier Kulturen

Keiner von uns wusste genau, worauf er sich in dieser letzten Schulwoche im Juli 2007, in der die chinesischen Gastgeschwister in unserer Familie wohnen sollten, einließ, da es der erste Schüleraustausch des Annette-Kolb-Gymnasiums mit einer chinesischen High School war. Frau Hui Xie, unsere Chinesich-Lehrerin, hatte uns am Informationsabend einige Hinweise gegeben wie etwa, dass wir mit Nahrungsmitteln aufpassen sollten, da viele Chinesen am Morgen zum Beispiel keine kalte Milch vertragen würden. Und Tibet, Taiwan oder Menschenrechte sollten wir nicht ansprechen, das könnte verletzend wirken - und ausgerechnet in dieser Woche fand der gefeierte Besuch des Dalai Lama statt.

Großes Staunen und Verwunderung seitens der chinesischen Lehrer gab es, weil zwei Jungen bei weiblichen Gastgeschwistern untergebracht waren. Die Ursache dieser Reaktion war vermutlich, dass es in China für junge Leute vor dem 22. Lebensjahr verboten ist, einen Freund bzw. eine Freundin zu haben. Und wie wir nach und nach erfuhren, gibt es noch weitere Unterschiede zwischen der chinesischen und der deutschen Jugendkultur. Während an unserer Schule jeder individuell gekleidet erscheinen darf, ist in China jegliche Art von Schmuck verboten. So darf zur obligatorischen Schuluniform kein Armband, keine Kette und kein Ohrring getragen werden und auch gefärbte Haare und Schminke sind strengstens verboten. Wer sich diesen Regeln wiedersetzt, muss mit schweren Strafen rechnen. Im schlimmsten Fall werden die Jugendlichen sogar von der Schule verwiesen, was gleichzeitig bedeuten kann, dass sie von den Eltern verstoßen werden.

Auf die Frage, warum es all diese Einschränkungen und Verbote gibt, meinten die Schüler, dass sie sich auf das Lernen konzentrieren müssen. Da ist es kaum verwunderlich, wenn die Chinesen ihre Wochenenden statt mit Freunden auf Partys mit ihren Schulbüchern zu Hause oder im Internat verbringen. Die Eltern haben bei ihren Kindern immer das letzte Wort und genießen allerhöchste Achtung. Mein Austauschschüler trank zum Beispiel keinen grünen Tee, weil sein Vater ihm eingebläut hatte, dass dieser durch seine belebende Wirkung sein Denken manipulieren würde. Bei allem was er tue, habe er die Worte seines Vaters im Hinterkopf, sagte er. Im Laufe der Woche konnte man regelrecht beobachten, wie die ruhigen Chinesen auftauten, aus sich herausgingen und die Freiheit der deutschen Gastgeschwister teilten. Ein Junge erklärte uns am vorletzten Abend, dass er mit seinen Freunden jetzt öfter gemeinsam feiern wolle, auch zu Hause in China.

Bei einem deutsch-chinesischen Grillabend auf dem Schulgelände des Annette-Kolb Gymnasiums hatten wir die Möglichkeit, die fernöstliche Art des Feierns kennen zu lernen. Mutige Chinesen stellten sich alleine oder in kleinen Grüppchen auf die Bühne und begannen Karaoke zu singen, was so viel Anklang fand, dass auch wir einen kleinen Chor zusammenstellten und deutsche Lieder trällerten. Neben dem Vorurteil des Karaoke liebenden Chinesen bestätigte sich auch das des fotografierenden. Anders als erwartet wurden aber nicht unsere Gebäude abgelichtet, sondern die Berge und die Landschaft sowie die Sterne in klaren Nächten, da diese zuvor kaum ein Chinese in seiner smogbelasteten Heimatstadt gesehen hatte. Auch Wasser aus der Leitung zu trinken und so saubere Luft zu atmen sei eine ganz neue Erfahrung für sie, sagte mein Austauschschüler.

Obwohl ich gewisse Erwartungen an diesen Besuch der Chinesen hatte, war ich überrascht, dass er sich so lehrreich gestalten würde und dass ich so viel über diese interessante, uns noch so verschlossene Kultur lernen könnte. Auch wenn es wirklich gravierende Unterschiede zwischen den Chinesen und uns gibt, so hat man gemerkt, dass wir alle Jugendliche sind, mit ähnlichen Wünschen, Vorstellungen und Erwartungen an die Zukunft.

Regina Weber, K12