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Die Schaukel schildert ein knappes Jahr im Leben der deutsch-französischen, in der feinen Münchner Gesellschaft des Fin de Siècle verkehrenden Familie Lautenschlag und rundet in einigen Rück- und Vorausblicken das Schicksal der Romanfiguren ab, die Züge von Annette Kolbs eigener Familie tragen.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen die Geschwister: die burschikos altkluge, Mathias genannte jüngste Tochter – ein ironisches Selbstporträt der Autorin –, ihre beiden graziös charmanten Schwestern und ihr willensschwacher Bruder. Ihre gemeinsamen Unternehmungen wie eine mehrtägige Urlaubswanderung sowie Besuche bei und von der befreundeten Nachbarsfamilie Zwinger kommen ebenso zur Sprache wie die Geldverlegenheiten der Lautenschlags und scheiternde Heiratsprojekte. Der Roman endet mit dem frühen Tod der ältesten Tochter Hespera. Gleich den Bewegungen einer Schaukel beschreibt der Roman in kurzen, impressionistisch erzählten Kapiteln das Auf und Ab im Leben der Figuren, stellt ihre gegensätzlichen Haltungen dar und pendelt zwischen verschiedenen Zeitebenen. Der Alltag der Lautenschlags bewegt sich zwischen hochfliegenden Träumen und der Konfrontation mit den Realitäten, ihre Gefühle wechseln von Lebensfreude zu Lebensangst. Die Haltung der Geschwister ist sowohl vom bayerischen Vater, einem Gartenarchitekten, wie der französischen, sich oft an ihr Klavier zurückziehenden Mutter geprägt. Neben die Schilderungen heiterer Geselligkeit und familiären Zusammenhalts treten Vorausdeutungen auf dunkle Zeiten wie den Ersten Weltkrieg oder den Tod der Eltern. Dabei wird die politische Ahnungslosigkeit der Gesellschaft nicht verschwiegen – was die Erzählerin als »kapitale« Verfehlung ansieht. Zum Auslöser für die Erinnerungen wird der Brand des Münchner Glaspalastes von 1931, in dessen Nähe das Elternhaus von Annette Kolb lag. Dieser Brand, der beim Erscheinen der Schaukel auch an den Reichstagsbrand von 1933 gemahnte, symbolisiert gleich zu Beginn des Romans das Ende einer Ära.

Die Schaukel konnte 1934 noch in Deutschland erscheinen, das Annette Kolb bereits im Jahr zuvor verlassen hatte. Großen Eindruck auf ihre Leser machte eine Fußnote, in der die Autorin die Bedeutung jüdischer Künstler und Intellektueller würdigte. In einer Neuauflage musste diese Passage auf Anweisung des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels gestrichen werden.